Skip to main content

Was ist Akusmatik?

Mit der Erfindung von Klangspeicherung dringen bekannte und unbekannte Klänge auf den Menschen ein, wie es nie zuvor möglich war. Ich spreche hier von der „Kopernikanischen Wende“ in der Musikgeschichte, deren Auswirkungen in der Erweiterung unseres Hörens nur Wenigen bewusst sind. Plötzlich stehen der Klang und dessen unendliche Modulierbarkeit losgelöst von seinem Original vom Beginn bis zum Ende des Kompositionsprozesses zur Diskussion. Darüber hinaus werden die Zuhörenden im imaginären Vorgang des Hörens, des erkennenden Hörens, in die akusmatische Musik (gr. Akusma, das Gehörte) einbezogen. Sie präsentiert sich als das Hören des Hörens.
Der Begründer der akusmatischen Musik, François Bayle, benennt ein vierstufiges Konzept im hörenden Erkenntnisprozess:
1. das Hören identifizierbarer Bezüge (Klanglandschaften oder Oszillationen)
2. das Fokussieren auf Klangtransformationen
3. das Fokussieren auf Formen und Prozesse, um den Sinn zu verstehen
4. die musikalische Erfahrung der Komposition, das durchdringende oder erkennende Hören.

Das Wiener Akusmonium
Mit dem Bau der ersten DIY-Lautsprecher im Jahre 2010 durch Thomas Gorbach begann eine spannende Reise in der Entwicklung eines Mehrkanalsystems und mannigfaltiger Möglichkeiten der Verräumlichung akusmatischer Klänge. Parallel dazu konzipierte Gorbach die Technik der ephemer dynamisch-bewegten Klangskulpturen; dabei geht es darum, die Steuereinheit so zu spielen, dass die Qualität der Klänge, deren Bewegungsformen und die Struktur der Komposition deutlich hör- und erfahrbar werden. Wie der Pfau seine Federn spreizt und ein Fächer entsteht, öffnet sich der Raum der inneren Struktur eines Klangs durch die vielen Lautsprecher – plötzlich treten Frequenzen heraus und heben sich ab, werden Bahnen im Raum gezeichnet und raumeigene Reflexionen überlagern sich. Thomas Gorbach
Weitere Infos unter: theacousmaticproject.at

 

ELEKTRONISCHE POESIE
FR 24.09. 19:30 Uhr, Innsbruck, Haus der Musik, Großer Saal, Universitätsstraße 1

Bruno Strobl
Zungenspiel für Elektronik (2021), UA, 10’
Gefördert von der Stadt Wien und vom SKE-Fond

Caroline Profanter
Ne-On (2018), 9’

Antonia Manhartsberger
floating debris – das ist kein Zustand für Elektronik (2021), UA, 10’
Ermöglicht durch das Hilde-Zach-Förderstipendium Komposition der Stadt Innsbruck 2019

Thomas Gorbach
Impact From Mars Octophonie (2020–2021), ÖEA, 12'

Anestis Logothetis
Wellenformen Computermusik (1981), 15’

- - - - -

Edgard Varèse
Poème électronique (1957–1958), ca. 8’

François Bayle
La fin du bruit (Erosphère I) (1979), 30’

Beatriz Ferreyra
Huellas Entreveradas (2018), ÖEA, 14’35”

 

Wiener Akusmonium
Thomas Gorbach, Leitung und Klangregie