Skip to main content

Klangwanderung 2021

Einer der wichtigsten Punkte gleich vorweg: Das Wetter auf der Klangspuren Klangwanderung 2021 hat gehalten. Sie führte in diesem Jahr auf den Spuren der Zillertaler Protestanten, die 1837 vor die Entscheidung gestellt wurden, entweder ihrem Glauben abzuschwören oder das Land zu verlassen. Hunderte Menschen machten sich im 19. Jahrhundert auf, um sich im 700 Kilometer entfernten Schlesien niederzulassen. Einen kleinen Teil dieser Wegstrecke der Vertriebenen entlang des Wilden Kaisers wurde am Sonntag bei der Klangwanderung von rund 60 Wanderern begangen – begleitet von musikalischen Interventionen und Kurzkonzerten. 

Ausgangspunkt war Strass, wo von der Zillertaler Ofenbank-Musik, dem Zitherspieler Martin Mallaun, Barbara Lüneburg (Geige) alte und neue Klänge zu hören waren und die Historikern Ursula Kirchner eine historische Einführung gab. Im Anschluss, nach einer kurzen Busfahrt, führte der Weg zuerst von Ellmau nach Going, wo beim dortigen Kirchtag, ein Bläserquintett der Musikkapelle Going ebenso für die Wanderer spielte wie der kurdische Flüchtling Teysîr Pey auf seiner Sāz, einer orientalischen Laute. In verschiedensten Besetzungen spielten Liz Allbee (Trompete), John Butcher (Saxophon), Frank Gratkowski (Altsaxophon + Klarinetten) und Wilbert de Joode (Kontrabass) bei einem Musikpavillon, einer Eisstockbahn und einem Badesee zur mittäglichen Jause – die von heimischen Bäuerinnen kam. Mallaun und Lüneburg kamen mit Werken von Manfred Stahnke und Cornelius Cardew dann in einer Scheune nochmals zum Einsatz. 

Zum Abschluss der Wanderung kamen alle dann in der Alten Gerberei in St. Johann zusammen. Den Auftakt des Abends machte Felix Mitterer. Der Tiroler Dichter las zusammen mit dem Zillertaler Volksschauspieler Heinz Tipotsch, begleitet von der Hackbrettspielerin Maria Ma, einige Szene aus seinem Theaterstück „Verlorene Heimat“. In dem Werk aus dem Jahr 1987 wird das Schicksal der Zillertaler EmigrantInnen aus der Innensicht, also aus der Perspektive der Betroffenen geschildert. Im Anschluss trat das seit 2002 bestehende Trio Kaufmann/Gratkowski/De Joode auf, zu dem allmählich die anderen Mitwirkenden der Klangwanderung dazu kamen und miteinander improvisierten.