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FLUCHTWEGE

Klangwanderung ’21 auf den Spuren der vertriebenen Zillertaler ProtestantInnen

Fluchtbewegungen sind stets eine Katastrophe für die Betroffenen, die im Verlauf der Geschichte bis heute zumeist völlig unschuldig vertrieben wurden. Verjagt aus ihrem Zuhause, angefeindet in den Aufnahmeländern, benötigen die meisten EmigrantInnen Jahre, Jahrzehnte, ja oft ein Leben lang, um sich wieder zurechtzufinden. Die vor dem Ausbruch der Pandemie entflammte Diskussion über die Einwanderungsbewegung aus arabischen Ländern verdeckt auf fatale Weise, dass in der Vergangenheit auch unzählige ÖsterreicherInnen dazu gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Nicht erst in der grauenhaften Nazi-Zeit, sondern bereits viele Jahrhunderte davor. Es kann jeden treffen, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

m die Zerbrechlichkeit des Daseins ins Blickfeld zu rücken, veranstaltet Klangspuren diesmal eine Klangwanderung, die sich auf ein historisches Ereignis im Tirol des 19. Jahrhunderts bezieht: 1837 wurden Tiroler ProtestantInnen, die meist im Umkreis von Zillertaler Gemeinden rund um Mayrhofen lebten, von Kaiser Ferdinand I. vor die Alternative gestellt, entweder ihrem Glauben abzuschwören oder das Land zu verlassen. Über 400 Gläubige, darunter auch Kinder und ältere Menschen, machten sich auf einen rund 700 Kilometer langen Weg, um sich im heute polnischen Schlesien niederzulassen, wo noch immer Zillertaler Bauernhäuser zu finden sind.

Ein kleiner Teil dieser Wegstrecke der Vertriebenen, der damals beschwerliche Pfad zwischen Ellmau und St. Johann entlang des Wilden Kaisers, wird auf der diesjährigen Klangwanderung symbolisch begangen – begleitet von Zillertaler Volksmusik, experimentellen Improvisationen und kurdischer Musik, die aus ihrer Heimat Geflüchtete spielen. Das Schlusskonzert um das Trio Frank Gratkowski/Achim Kaufmann/Wilbert de Joode vereint all diese MusikerInnen verschiedener Ethnien in der Alten Gerberei in St. Johann. -ka

Interpreten
Ofenbank-Musig: Stefan Dengg, Harfe, Michael Kirchler, Violine, Thomas Rauch, Akkordeon
Bläserquintett der Musikkapelle Going, Leitung: Josef Hetzenauer
Barbara Lüneburg, Violine und Viola, Martin Mallaun, Zither, Diskantzither und Cetra Nova
Liz Allbee, Trompete, Frank Gratkowski, Altsaxophon und Klarinetten, Wilbert de Joode, Kontrabass, Achim Kaufmann, Klavier
Teysîr Peywan, Sāz/orientalische Laute, N.N., Perkussion
Ursula Kirchner, Stadtarchiv Schwaz, historische Einführungen
Felix Mitterer und Heinz Tipotsch, Lesung, begleitet von Maria Ma, Hackbrett

FLUCHTWEGE
SO 19.09., 07:30 Uhr, Innsbruck, Abfahrt Shuttle über Schwaz (08:15 Uhr) und Jenbach (08:30 Uhr)

Anmeldung im Klangspuren-Büro unter 05242/73582 unbedingt erforderlich. Es gelten die Corona-3G-Regeln. Bitte achten Sie auf festes Schuhwerk und wasserdichte Regenbekleidung, denn die Klangwanderung findet bei jeder Witterung statt. Die Fahrten mit dem Shuttlebus von Innsbruck/Schwaz/Jenbach nach Ellmau sowie retour von St. Johann sind im Ticketpreis inkludiert.