04.06.2019 00:07 Alter: 141 days

FR 06.09.

KLANGSPUREN 2019 ERÖFFNUNG

20:00 Uhr, Schwaz, SZentrum, Silbersaal, Andreas-Hofer-Str. 10

 

Olga Neuwirth: anaptyxis für Orchester (2000), ÖE

Mark Andre: woher ... wohin 7 Miniaturen für Orchester (2015-17), ÖE

Luigi Nono: Canti di vita e d‘amore. Sul ponte di Hiroshima

für Sopran- und Tenor-Solo und Orchester (1962)

Claus-Steffen Mahnkopf: void – kol ischa asirit für großes Orchester (2010-12), ÖE

 

Anu Komsi, Sopran

Niclas Oettermann, Tenor

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck

Claus-Steffen Mahnkopf, Klangregie

Dirigent: Lothar Zagrosek

 

 

„Als Musik zum ersten Male an alledem gründlich irre ward, wurde sie zur Neuen.“ Was der Sozial- und Musikphilosoph Teodor W. Adorno in seinem Vortrag über Das Altern der neuen Musik 1955 formulierte, trifft auch den Gestus heutiger Musik. „Unvereinbar mit seinem Begriff ist der Ton des Affirmativen, die Bestätigung eines Bestehenden“, schreibt Adorno weiter, um den kritischen Impetus der Moderne gegenüber dem Establishment zu unterstreichen. Dass diese hinterfragende Haltung im Wirtschaftboom der satten 1960er und 1970er Jahre allmählich verloren ging, steht auf einem anderen Blatt. Zu beobachten ist allerdings gerade in jüngster Zeit, dass der einstige Impuls der neuen Musik wieder aufgenommen wird: Viele zeitgenössische KomponistInnen beziehen explizit Stellung gegen die evidenten Fehlentwicklungen des Kapitalismus. Nicht nur verbal, sondern auch musikalisch, doch mit wachem Bewusstsein für den Umstand, dass Musik niemals direkt eingreifen kann ins politische Geschehen, ohne ihre Autonomie und mithin ihren Status als Kunst zu verlieren. Und so stehen heute neben Luigi Nono, dem Pionier solcherart politisch gedachter Musik, ermahnende KomponistInnen wie Olga Neuwirth oder Claus-Steffen  Mahnkopf, die ihre kritischen Stimmen gegen eine Welt des Widersinns  und der Zerstörung erheben. Und die feinfühlige Musik des diesjährigen Composer in Residence, Mark Andre, fügt jene besinnlichen Komponenten hinzu, die heute so dringend nötig sind.

 

Radio-Übertragung: Ö1, Zeit-Ton am 10.09.2019, 23:03 Uhr