KLANGSPUREN SCHWAZ

TIROLER FESTIVAL FÜR NEUE MUSIK

Klangspuren Schwaz
05.04.2013 07:59 Alter: 6 yrs

FR, 09.09.

KLANGSPUREN & SPRACHSALZ

IEMA ENSEMBLE FRANKFURT

19.00 Uhr, Kurhaus Hall Stadtgraben 17 Hall i.T.

 

Hakan Ulus Tawāf(2016) UA

für verstärktes Klavier, großes Ensemble und elektronische Zuspielung

Enno Poppe Salz (2005)

für Ensemble

Brian Ferneyhough La Chute d’Icare (1988)

für Solo-Klarinette und Ensemble

Hannes Kerschbaumer Kritzung (2015)

für präparierte Viola und 3 Streicher mit Holzobjekten

Simon Steen-Andersen In spite of, and may be even therefore (2007)

für teilweise verstärktes Ensemble

 

Pablo Druker Dirigent

 

21 Uhr

Marcel Beyer Lesung

Das IEMA ENSEMBLE FRANKFURT setzt sich aus aktuellen Teilnehmern des einjährigen Studiengangs der IEMA zusammen, den das Ensemble Modern in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt anbietet.

 

Mit La Chute d’Icare (Der Sturz des Ikarus) von Brian Ferneyhough steht ein Werk des Altmeisters der „New Complexity“ auf dem Programm: extrem differenzierte, subtile Musik, die ihren Interpreten Höchstes abverlangt. Die Uraufführung des neuen Werks Tawāf von Hakan Ulus stellt einen der „jüngsten Sterne“ des Festivals vor. Der deutsch-türkische Komponist (geboren 1991) ist derzeit Stipendiat des IEMA-Kurses in Frankfurt. Salz von Enno Poppe gehört mit bislang über 70 Aufführungen zu seinen erfolgreichsten Stücken – eine splitternde, fragmentarische Musik, in der loop-artig verschiedene Stränge mal unverbunden parallel laufen, um dann wieder zusammenzufinden – eine Musik überraschend fremder, aneinander sich reibender, zum Teil elektronisch für den Synthesizer programmierter mikrointervallischer Klänge. Das neue Stück kritzung des Südtirolers Hannes Kerschbaumer enthält schon im Titel eine Anspielung auf Graffiti-Zeichnungen: quasi eingeritzte, gekritzelte feinste Schraffuren, welche die vier Instrumentalisten auf ihren präparierten Instrumenten und Objekten hervorbringen. Kritzung bezeichnet wissenschaftlich die Schrammen, die Gletscher im Gestein hinterlassen. Simon Steen-Andersens In spite of, and maybe even therefore ist buchstäblich musikalische Dekonstruktion. Eine musikalische Ruine bleibt zurück. Zwei Stränge – ein quasi einstimmiges Geräuschband und Bruchstücke aus einer der Beethoven-Bagatellen op. 126 – werden gegeneinander in Stellung gebracht und gleichzeitig zerstört – bis hin zur Zerlegung der Instrumente. Eine boshafte musikalische Karikatur.

 

Marcel Beyer, geboren 1965, findet als Romancier, Dichter und Essayist weithin größte Beachtung und Anerkennung. Im November 2016 erhält er den Georg-Büchner-Preis, die höchste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum. In den 1990er Jahren schrieb er auch für die Musikzeitschrift SPEX. Er zeigt immer wieder ausgeprägtes Interesse an akustischen Sachverhalten (z.B. in seinem Roman Flughunde von 1995) und an zeitgenössischer Musik. Für sämtliche Musiktheaterwerke von Enno Poppe, mit dem Beyer eng befreundet ist, schrieb er die Libretti: Interzone (2004), Arbeit Nahrung Wohnung (2006/2007), IQ (2012).

 

Lesungen und Diskussionen bei SPRACHSALZ finden am 09.09. zwischen 13.00 und 24.00 Uhr im Parkhotel statt

 

Radio-Übertragung: Ö1, Zeit-Ton am 19.09., 23.08 Uhr


Rubrik: events Festival zeitg. musik