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„Wie klingt eigentlich die Umwelt?  

Die Zukunft wurzelt in der Gegenwart, und die Klangspuren Schwaz, sie säen seit längerem beharrlich die Samen aus, die später die Früchte einer musikalisch aufgeschlossenen Zeitgenossenschaft tragen könnten. In diesem Sinne wird etwa mit dem „Klangspuren Mobil“ bei interessierten Tiroler Schulen haltgemacht. Wie klingt die Natur, und wie klingt eigentlich die Umwelt? Wie hören sich zentrale Emotionen Liebe, Hass, Wut oder Trauer an?  Kinder und Jugendliche versuchen in zweistündigen Workshops unter kundiger Anleitung nach möglichen Antworten – in den letzten zehn Jahren fanden bei dieser Initiative bereits mehr als 19.000 Teilnehmende die mannigfaltigsten diesbezüglichen Ideen.  

Bei den „Klangspuren Barfuß“ werden wiederum Recycling-Instrumente aus dem Hut gezaubert, dann auch Ohren- und Würfelspiele aktiviert und selbst gerne musikalisch übersehene Alltagsgegenstände wie Gartenschläuche zum Klingen gebracht (Von Krach, Sound und Wellen). In einer Kooperation mit dem Paulinum Schwaz wird auch die familiäre „Musikgeschichte“ der Schüler quasi erforscht (Memories, Aufführung am 19. 9.).  

Da wären aber auch schnelle Infoformate: Per Link kann kurz in das Klangspuren-Festival hineingehört werden (Hörminute), wobei mit einem Textchen und einem assoziativen Foto eine Minute lang auf Werke, die bei den Klangspuren und auch im Rahmen der Schülerpass- Konzerte zu hören sein werden, verwiesen wird. Die Komponisten, die heuer im Fokus liegen, sind Hannes Kerschbaumer und Vinko Globokar. Bei „Meet The Composer“ werden wiederum Komponierende zu ihrem Tun befragt werden.  

Eine weitere Initiative ist „Klangspuren Lautstark“: So nennt sich ein neuntägiges Sommercamp in der Ortschaft Imsterberg, in dem sich Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren ganz der Klang- und Geräuscherforschung widmen können, dem Improvisieren, dem Komponieren und natürlich auch anderen Formen des Musizierens. Zusammen mit Cathy Milliken (Oboistin, Komponistin und Musikvermittlerin) und einem DozentenInnen-Team begeben sich die TeilnehmerInnen in ein neuntägiges Abenteuer in Sachen neue Musik und ungewohnte Klänge. Es ist eine intensive Ermunterung zur Kreativität, bei der „gemeinsam mit den DozentInnen Kompositionsideen in interaktiver und spielerischer Form“ umgesetzt werden.  

In diesem August wurde Ein Lied für die Erde geschaffen und unser Planet gewissermaßen auch als Multiinstrumentalist begriffen. Dazu heißt es: „Wir hören und erforschen, was uns die Erde zu erzählen hat. Wir belauschen die Natur und fragen uns, wie es klingt, wenn sich im Winter Kristalle bilden, wenn Blätter im Wind rauschen oder ein Gewitter aufzieht. Aber vor allem: Was würde die Erde darüber sagen, wie wir mit ihr umgehen? Ist sie damit zufrieden?“ Auch Ludwig van Beethoven und seine naturaffine sechste Symphonie, die Pastorale, spielt eine Rolle. „Dieses Stück gilt als Vorläufer der Programmmusik, die wir anlässlich des 250. Geburtstags von Beethoven unter die Lupe nehmen wollen“, heißt es. Tiroler Musikschulen also zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.  

Von Stefan Ender
Erschienen in DerStandard, Spezial, 21.08.2020 (Medienkooperation)