KLANGSPUREN SCHWAZ

ADRIANA HÖLSZKY

COMPOSER IN RESIDENCE 2020

 

Denkt man an die rumänisch-deutsche Komponistin Adriana Hölsz-ky, so fällt einem spontan dreierlei ein: ihr Hang zu skurrilen Stoffen, hinter denen sich die dunklen Seiten der Ge-schichte verbergen, ihr kreativer Umgang mit der menschlichen Stimme und die plastische Räumlichkeit vieler ihrer Stücke. In all diesen Charakteristika manifestiert sich auch ein eminent theatralisches Interesse.

 

Bereits in ihrem ersten Musiktheater greift Hölszky auf einen grausigen Stoff zurück. Doch das Schicksal der Giftmör-derin Geesche Gottfried wird in ihrer „Bremer Freiheit“ (1987) verzerrt zur Groteske. Diesen bisweilen an einen Grand Guignol erinnernden Tonfall erweitert die 1953 in Bukarest geborene Komponistin in ihrem zweiten Bühnenwerk, „Die Wände“ (1993-95) nach Jean Genet, mit flüsternder Rätselhaftigkeit. Erzeugt wird das durch die räumliche Verteilung einiger Instrumentali-sten und den musikalisch die Wände symbolisierenden Chor.

 

Mit Flüstern, Schreien, Kirren und Glucksen zeichnete Hölszky bereits 1993 Jakob Michael Reinhold Lenz' „Gemälde eines Erschlagenen“ in ihrem gleichnamigen Vokalstück nach, in dem 72 im Raum verteilte Sängerinnen und Sänger phonetische Laute kreisen lassen. Zwanzig Jahre später, in ihrem jüngsten Musiktheater „Böse Geister“ (2013) nach Dostojewskis „Dämonen“, übernimmt der Chor sogar die geheime Hauptrolle, um mal geheimnisvoll flüsternd, mal lautstark-schrill auf die gegen-wärtig wieder erstarkenden autoritären Strukturen zu verweisen.

 

Eine immanente Theatralik wohnt auch vielen kammermusikalischen Werken Hölszkys inne, worauf schon Titel wie „Requisiten“ (1984/85) oder „Lemuren und Gespenster“ (2004/05) deuten. Nicht nur durch ihre vielfältigen Stücke, sondern auch durch ihre lange Unterrichtserfahrung, u. a. am Salzburger Mozarteum von 2000 bis 2013, wird Hölszky die IEMA 2020 bereichern.

Adriana Hölszky @Archiv Stiftung Mozarteum