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Gerhard E. Winkler über sein Werk "Transitions"

Eine der Brücken, die bei Klangspuren geschlagen werden sollen, betrifft den Konnex zwischen neuer komponierter und außereuropäischer Musik. Friedrich Cerha hatte nach intensiver Beschäftigung mit den arabischen Maqāmāt-Techniken, den mikrotonalen harmonischen und melodischen Elementen der orientalischen Musik, 1989 sein Erstes Streichquartett Maqām geschaffen, das ganz deutlich von dieser Klangwelt geprägt ist. Noch länger studierte der Schweizer Klaus Huber diese arabischen Praktiken, was sich schließlich in einem dreiviertelstündigen Stück für europäische und orientalische Instrumente sowie einen Sufi- Sänger niederschlug. Um Die Erde dreht sich auf den Hörnern eines Stiers, so der Titel von Hubers Werk aus dem Jahr 1993, gerade heute zeitgemäß weiterzudenken, ist Klangspuren auf zwei Salzburger Komponisten zugegangen, Gerhard E. Winkler und den aus Ägypten stammenden Hossam Mahmoud. Die beiden komponierten mit einem ähnlichen Instrumentarium wie bei Hubers Stück je eigene Werke, in denen die europäische Musiktradition mit der arabischen in einen kreativen Dialog tritt. Bindeglieder zwischen den beiden Kulturen werden in Winklers Transitions – Anamorph XVIII die Elektronik einerseits und die arabische Trommel andererseits sein. Die europäische Seite ist mit Flöte, Saxophon, E-Gitarre, Viola und Violoncello besetzt, das arabische Ensemble, ähnlich wie bei Huber, neben der Riqq, der Trommel, mit einer Ney, der arabischen Flöte, und mit der Qānūn, der arabischen Zither. Auf einen Vokalisten verzichtet Winkler allerdings. Seine Projektidee schildert er so: „Das rund halbstündige Werk Transitions – Anamorph XVIII ist so angelegt, dass zwischen mehreren ausnotierten Teilen für das westliche Ensemble und über vorgefertigte elektronische Soundfiles das arabische Ensemble interpolierend nach – ebenfalls vom Komponisten vorgegebenen – orientalischen Improvisationsmodellen spielen wird. Wobei es auch zu wechselseitigen Überlagerungen zwischen den Klängen der komponierten neuen Musik und der traditionellen arabischen Musik kommen wird.“
Gerhard Winkler/-ka

 

IN AN ORIENTAL MOOD 
SA 11.09. 20:00 Uhr, Innsbruck, Haus der Musik, Großer Saal, Universitätsstr. 1

Gerhard E. Winkler: Transitions (Anamorph XVIII) für westliches und arabisches Instrumentalensemble sowie Elektronik (2020, UA)  
Adriana Hölszky: Hängebrücken. Doppelquartett an Schubert, Streichquartett Nr. 2 (1989/90, ÖEA) 
Hossam Mahmoud: Verschränkung 2 für Stimme, Ney, Percussion (arabisch + europäisch), Bassflöte, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass (2020, UA) K

Bernadette Furch, Alt, Mohamad Fityan, Nay, Salah Eddin Maraqa, Qanun, Elias Aboud, arabische Percussion Ensemble PHACE 

19:15 Uhr, Konzerteinführung im Großen Saal: Gunter Schneider im Gespräch mit Gerhard E. Winkler und Hossam Mahmoud