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SO 22.09.

SCHATTEN BESEELTER GEISTER

16:00 Uhr, Innsbruck, Hofkirche, Universitätsstr. 2

Mark Andre: selig sind ... für Klarinette und Elektronik (2018), ÖE

Jörg Widmann, Klarinette
Live-Elektronische Realisation:
SWR Experimentalstudio
Michael Acker, Klangregie
Maximiliano Estudies, Klangregie

Mit Nachdruck erweisen Mark Andres sensible Werke, dass Intensität keine Frage der Lautstärke ist, selbst wenn die Töne beinahe verlöschen. Als „Zwischenräume des Entschwindens“ bezeichnet er selbst sein Klarinettensolo ...selig sind..., dessen Uraufführung Jörg Widmann 2018 bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik hinter den Seitenwänden des Märkischen Museums aus verschiedenen Positionen spielte. Bei Klangspuren wandelt sich das Ambiente gänzlich. Denn in Innsbruck wird Widmann die Geister der Schwarzmander in der Hofkirche gleichsam zu tönendem Leben erwecken. Hinter den Statuen in steter Bewegung rund ums Publikum befindlich, wird der famose Klarinettist die ZuhörerInnen mittels der feinen Klangwelt dieses kreisenden Klarinettensolos in eine Art Zwischenwelt entrücken, in der die reale Raum-Zeit-Empfindung außer Kraft gesetzt scheint.  Solche Zwischenwelten umkreisen die meisten Stücke Andres. Selbst wenn er diese in theologischer Absicht so komponiert, erschließen die Kompositionen des Elsässers auch dem Nicht-Gläubigen mit reflexiver Kraft die Zwischenzonen zwischen dem Sein und dem Nicht-Sein. Andres Schaffen leuchtet also, um an das Motto von Klangspuren zu erinnern, in die Risse unserer menschlichen Natur, die Sterblichkeit. Seine Musik hellt in beharrlich-leisen Klängen auf, was sonst meist im Dunkel des Verdrängten verharrt: den unvermeidlichen Tod, den der Elsässer in unerschütterlichem Glauben mit einer fast jenseitigen Schönheit verknüpft.