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Ein Fest der Gemeinsamkeit

Wolfgang Mitterer Bridges 1 – 11
für Ensemble, Blechblasensemble, Chor, Kinderchor und Elektronik (2019–2020), UA

Spektakulär ist das Projekt Wolfgang Mitterers bereits durch die ungewöhnliche Aufstellung der MusikerInnen in den großen Tennishallen der Stadt Schwaz: Die Mitglieder des Tiroler Ensembles für Neue Musik und die Familienmusik Waldauf sind weit voneinander entfernt auf zwei Bühnen an den Stirnseiten der beiden Hallen platziert, während der Kinderchor des Paulinum und der Schulchor Siberstimmen vom Realgymnasium Schwaz durch das Publikum wirbeln. Die ZuschauerInnen sitzen einander gegenüber, um das Geschehen verfolgen zu können, aufgeteilt in kleinere Sektoren zwischen den beiden Bühnen. Auf diese Weise ist Platz genug für die majestätisch marschierenden Bläser der Stadtmusik Schwaz, die anfangs noch in den Squash-Hallen versteckt sind. Eine metaphorische „Brücke“ über das Publikum spannt vollends der Dirigent, der auf einer hohen Plattform steht und gleichsam über dem Publikum schwebend das rund einstündige Stück dirigiert.  

Die Ideen zu seinen Bridges 1–11 beschreibt Mitterer so: „Brücken zwischen DirigentIn und MusikerInnen, zwischen zeitgenössischer Musik und tradierter Musik, zwischen Laien und Profis, zwischen alt und neu, gespannt über ein – auch mit Hilfe von Elektronik – sehr weit auseinandergezogenen Klangbild zwischen links und rechts, oben und unten. Es beginnt halb inszeniert: Der Dirigent oder die Dirigentin steigt auf, schreiende Kinder laufen durch das Publikum, die BlechbläserInnen marschieren ein. Und die Musik bewegt sich rasant von links nach rechts über den Köpfen des Publikums. In 11 Abschnitten (Szenen) werden die sehr unterschiedlichen Klanggruppen Schritt für Schritt ineinander verwoben, bewegen sich aufeinander zu, um gemeinsam einen geschlossenen großen Klangraum zu generieren. 

Eine der Herausforderungen ist es, eine getaktete Partitur für den Hauptdirigenten zu erstellen, die einerseits unterschiedliche Tempoangaben für gleichzeitig ablaufende Klanggruppen und -ereignisse abbildet und andererseits deckungsgleiche Tempi mit den Electronics erlaubt. Durch die Einbeziehung einer Blaskapelle, eines Kinder- und Mädchenchors sowie der Familienmusik Waldauf, die auch ihre eigene Literatur spielen und singen werden, kann das Ergebnis phasenweise collageartig wirken. Eine Musik zum Nachhören und Nachschauen – von links nach rechts, durch die Mitte.“
Wolfgang Mitterer/-ka (Aus: Programmbuch Klangspuren Schwaz 2021)

25.09.2021., 20 Uhr, Tennishalle Schwaz
Tiroler Ensemble für neue Musik (Leitung: Harald Pröckl),  Stadtmusik Schwaz (Leitung: Markus Trenner), Silberstimmen des  Realgymnasiums Schwaz (Leitung: Thomas Waldner), SchülerInnen des Paulinum Schwaz (Leitung: Petros Moraitis), Familienmusik Waldauf, Dirigent: Oswald Sallaberger