KLANGSPUREN SCHWAZ

TIROLER FESTIVAL FÜR NEUE MUSIK

Klangspuren Schwaz
29.05.2017 22:56 Alter: 179 days

SA 09.09.

ANY QUESTIONS? – EVERYTHING IST IMPORTANT

ARDITTI QUARTET & JENNIFER WALSHE

20.30 Uhr, Treibhaus, Turm, Angerzellgasse 8, Innsbruck

 

Evan Gardner Oxford Concise Dictionary of Music, page 712 (2017) UA

Olga Neuwirth in the realms of the unreal – 3. Streichquartett (2009/rev. 2011)

Jennifer Walshe EVERYTHING IS IMPORTANT (2016) for voice, string quartet, film (w/ sound) (2016) ÖEA

 

Arditti Quartet:

Irvine Arditti (Violine), Ashot Sarkissjan (Violine), Ralf Ehlers (Viola), Lucas Fels (Violoncello)

Jennifer Walshe Performance, Film

Fast erübrigt sich, das Arditti Quartet vorzustellen. Seit Jahrzehnten stehen die „Ardittis“ auf vorderstem Platz der Streichquartette für neue Musik und haben Hunderte neuer Werke aus der Taufe gehoben. Aber die Zusammenarbeit mit einer jungen, wilden Künstlerin des Typs „Composer Performer“ wie Jennifer Walshe in EVERYTHING IS IMPORTANT, das ist ein neuer Schritt. Unerhört, dass neben Walshe, die ihren Part während des gesamten Stücks mit voller Kraft voraus performt, gegen Ende der Cellist des Quartetts ebenfalls als „Acting Performer“ vorgesehen ist. In diesem großen, 40-minütigen Stück für Vokalperformer, Film und verstärktes Streichquartett verschmelzen disparate Elemente und Themen wie soziale Ungleichheit, Klimawandel, Technologie, Weltraum zu einem Strudel visueller und musikalischer Aktionen, atemlos, atemberaubend, und doch mit einem kräftigen Schuss Ironie. Wird nicht in der Ära digitaler Informationsüberflutung alles gleich wichtig?

 

Der amerikanisch-norwegische Komponist Evan Gardner eröffnet den Abend mit einer neuen Seite aus dem „Oxford Concise Dictionary of Music“, deren Einträge ihm als Vorlage für die Umsetzung in eine komplexe musikalische Artikulation dienen. Die Seiten 700 und 741 hat er schon vertont. Die vollständige Vertonung des Lexikons bleibt Utopie.

 

Olga Neuwirths 3. Streichquartett in the realms of the unreal ist eine Hommage an den erst nach seinem Tod entdeckten Außenseiter-Künstler und Schriftsteller Henry Darger (1892-1973), der ein riesiges Manuskript mit 15.000 Seiten und Hunderten von Zeichnungen und Aquarellen hinterließ. Ähnlich wie das Werk des Künstlers arbeitet Neuwirth mit zerrissenen, stark kontrastierenden und fragmentierten Texturen.