
- Hans Zender ©Wolfram Lamparter, SWR
Hans Zender ist 2013 composer in residence der KLANGSPUREN INTERNATIONALEN ENSEMBLE MODERN AKADEMIE im Rahmen des KLANGSPUREN Festivals. Die Komponist und Dirigent wird zehn Tage intensiv mit den Teilnehmer der Akademie von 03.09.–16.09.2013 arbeiten.
Die Musik von Hans Zender in wenige Worte zu fassen fällt schwer. Zu vielseitig und vielschichtig sind ihre Ansätze und Wege, zu komplex die in Tönen dargestellten Reflexionen, in denen sich eine subtile Auseinandersetzung mit kultureller und gesellschaftlicher Gegenwart und mit geistigen Horizonten spiegelt, die über Europa weit hinausweisen. Ernsthaftigkeit und Humor, Konstruktion und Collage, strukturales Denken und expressive Geste behaupten sich nebeneinander. Viele Werke beruhen auf einer ausgeklügelten mikrotonalen Harmonik. Dennoch beachtet Zender, der als Dirigent über Jahrzehnte eine Fülle praktischer Interpretenerfahrung angesammelt hat, sehr wohl die Frage der Spielbarkeit, der „Machbarkeit“ im aufführungstechnischen Sinn. Nicht zuletzt diese Seite seiner reichen Fähigkeiten prädestiniert ihn für die Arbeit mit der KLANGSPURENInternationalen Ensemble Modern Akademie.
Sein umfangreiches Œuvre lässt sich gliedern in verschiedene Werkgruppen oder Zyklen, die sich oft über lange Zeiträume entwickeln. Einem großen Teil seiner Werke ist ein impliziter oder expliziter Bezug zu literarischen Quellen eigen, die auf weit gefächerte Lektüre hindeuten. Da sind seine bisher drei großen Musiktheaterwerke Stephen Climax (nach Ulysses von James Joyce und Symeon, der Stylit von Hugo Ball), Don Quijote de la Mancha (nach Cervantes) und Chief Joseph über den Clash zwischen indianischer und westlicher Zivilisation. In den Cantos (darunter die Logos-Fragmente) und anderen Vokalwerken in unterschiedlicher Besetzung findet sich eine intensive Auseinandersetzung mit geistlichen und philosophischen Gehalten, in dem Zyklus Lo-shu, in den Kalligraphien und in Werken mit japanischen Titeln (z.B. Issei no kyô) spiegelt sich die Beschäftigung mit ostasiatischem Denken, insbesondere mit der Zen-Philosophie in ihrem grundlegend anderen Verständnis von Zeit. Dem Thema von KLANGSPUREN 2013 „Neue Musik und romantisches Erbe“ lässt sich der Zyklus Hölderlin lesen zuordnen sowie eine Reihe von „Bearbeitungen“ bzw. Anverwandlungen romantischer Werke, die Zender als „komponierte Interpretation“ bezeichnet: die große Schumann-Phantasie für Orchester, die variabel besetzte Adaption von Schuberts Winterreise und als jüngstes Werk 33 Veränderungen über 33 Veränderungen zu Beethovens späten Diabelli-Variationen.
Die Geschichte des Ensemble Modern, dessen Mitglieder die Akademie mit Hans Zender durchführen werden, ist maßgeblich mit dieser Künstlerpersönlichkeit verbunden: Hans Zender war nicht nur ein wichtiger Ermutiger und Anreger für die Gründung der Ensemble Modern, sondern blieb zudem seit den frühen 80er Jahren ein wichtiger Partner sowohl als Dirigent wie auch Komponist. Zentrale Werke wie die hier zu erarbeitende Winterreise oder auch die 33 Veränderungen über 33 Veränderungen schrieb er für das Ensemble Modern.
Hans Zender, 1936 in Wiesbaden geboren, studierte Komposition bei Wolfgang Fortner. Er war u.a. Chefdirigent der Bonner Oper (1964–68), in Kiel (1969–72), des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken (1971–84), des Philharmonischen Orchesters und der Staatsoper in Hamburg und des Kammerorchesters des Niederländischen Rundfunks (1987–90). Seit 1999 war er ständiger Gastdirigent und in der künstlerischen Leitung des SWR-Orchesters Baden-Baden und Freiburg. 1988–2000 lehrte er als Professor Komposition in Frankfurt. Schon als junger Mann in Darmstadt und Donaueschingen und später im Laufe seiner Dirigenten- und Lehrtätigkeit hat sich Hans Zender nachhaltig für die musikalische Avantgarde eingesetzt, etwa für die Musik von Olivier Messiaen, Giacinto Scelsi, Bernd Alois Zimmermann und Helmut Lachenmann.
Gerhard R. Koch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bringt Zenders künstlerische Haltung treffend auf den Punkt:
Zender ist alles andere als ein Komponist der Sound-Oasen. Alles Pauschale ist ihm verhasst. Gleichwohl kennt seine Musik Momente tiefer Ruhe. Denn über der präzisen Organisation hat er die spirituelle Komponente nie vernachlässigt, die Mystik des christlichen Mittelalters ebenso wenig wie die des japanischen Haikus.
Matthias Osterwold, künstlerischer Leiter KLANGSPUREN Schwaz
Infos und Anmeldung für alle KLANGSPUREN Projekte unter
KLANGSPUREN Schwaz Tirol
t +43 5242 73582, f -20, info@klangspuren.at, www.klangspuren.at
Klangspurengasse 1 / Franz-Ullreich-Straße 8a, 6130 Schwaz / Austria
